SHENZHEN
Stahl
Biden
Zölle
Deutschland
Chinese
Peking
Erhöhung
Präsident
Eine
Binnenmarkt
Handel
Aluminium
Zukunft
Staat
Gleichzeitig
China
Pressespiegel
Treffen
In Chinesisch eintauchen statt Grammatik pauken   
55 Puzzleteilchen über China (3)
Von Martina Bölck
Übersicht

Die Bedeutung, die Essen in China hat, kann gar nicht überschätzt werden. »Essen ist des Volkes Himmelreich«, hieß es schon vor 2.000 Jahren in der Han-Dynastie. Immer noch begrüßt man Bekannte auf der Straße mit Chiguo le ma? »Hast du schon gegessen?« Auf den Werbebildschirmen der öffentlichen Verkehrsmittel laufen Kochvideos, und wenn irgendwo ein paar Leute aufgeregt miteinander sprechen und diskutieren, kann man davon ausgehen, dass sich das Gespräch ums Essen dreht, um eine bestimmte Zubereitungsart, darüber, welche Spezialitäten es in einer Provinz gibt, um ein tolles neues Restaurant, das man unbedingt besuchen muss, oder Ähnliches.

Wenig verbindet die Menschen in China so sehr wie die tiefe Überzeugung, dass sie das Land mit der vielfältigsten, gesündesten, vor allem aber schmackhaftesten Küche der Welt sind. Die Begeisterung für die eigene Küche ist ein Kitt, der die Gesellschaft auf der Alltagsebene mehr zusammenhält als alle sonstigen nationalen Errungenschaften, denn das Interesse am Essen teilen alle, Alt und Jung, Arm und Reich, Leute aus der Stadt und vom Land, Studierende und Wanderarbeiter.

»Essen hat für Chinesen die gleiche Bedeutung wie für Latinos der Sex«, befand ein Bekannter aus Ecuador nach einigen Jahren in China, und der Psychologe Sun Longji kam in den 1980er Jahren in seinem Buch Das ummauerte Ich gar zu dem Schluss: »Man könnte sagen, dass Essen in der chinesischen Kultur die einzig legitime Triebbefriedigung darstellt.«

Jede Region hat ihre Spezialitäten, zu jedem Feiertag gibt es besondere Gerichte, und jedes Treffen, ob mit Freundinnen, der Familie oder Geschäftspartnern, wird mit einem Essen begangen. Dem entspricht die Vielzahl der Restaurants jeder Preisklasse und Ausstattung. Protzige Fresstempel mit Lüstern und vergoldeten Säulen, vornehme Restaurants, die sich in alten Palästen eingerichtet haben, einfache Gaststätten, in denen es voll und laut ist, oder kleine Imbissstände mit ein, zwei Tischchen, eng und im Winter kalt und zugig, in denen die Gäste zusammengekrümmt über ihren Schüsseln sitzen und den Inhalt in sich hineinschlürfen, dazu Straßenstände mit frischen Köstlichkeiten ... und jede erdenkliche Variante dazwischen.

Da man normalerweise in Gruppen essen geht und die Gerichte für alle in die Mitte des Tisches gestellt werden, ist die Bestellung eine aufwendige Prozedur. Alle Wünsche, Vorlieben und Abneigungen müssen berücksichtigt werden, alle Geschmacksrichtungen sollten vertreten sein, und außerdem will man natürlich die Spezialitäten des Hauses probieren.


 
Nächste Seite >>  


 
(noch keine kommentare gepostet)
neuer kommentar:

name:

text: